Was sind Stolpersteine?

Das größte dezentrale Mahnmal der Welt – ein Kunstprojekt von Gunter Demnig.

Stolperstein für Johann Vogl am Schlossberg, Stephanskirchen
Stolperstein für Johann Vogl am Schlossberg, Stephanskirchen

Stolpersteine erinnern an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, vertrieben, ermordet oder in den Tod getrieben wurden – ob sie Juden waren oder Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas, Menschen mit Behinderung, gesellschaftlich Geächtete oder Regimekritiker aus Politik, Gewerkschaften und kirchlichen Kreisen.

Auf eine 10 × 10 cm große Messingplatte sind Name, Geburtsjahr sowie Zeit und Ort von Deportation und Tod eingraviert. Der Künstler Gunter Demnig verlegt die Steine im Gehweg vor dem letzten frei gewählten Wohnort der Opfer, manchmal auch vor ihrer Schule oder Arbeitsstätte. Inzwischen liegen weit mehr als 100.000 Stolpersteine in rund 30 Ländern Europas. Stolpersteine sind zum größten dezentralen Mahnmal der Welt geworden.

Warum Stolpersteine?

„Das Geheimnis der Erinnerung ist die Nähe.“ — Reiner Bernstein

Stolpersteine geben uns im Alltag Denkanstöße und erinnern an die Geschichte – wir stolpern nicht mit den Füßen, sondern mit dem Kopf über das, was war. Sie bringen die Namen der Opfer wieder an die Orte zurück, von denen sie vertrieben wurden, und holen – oft nach jahrzehntelanger Verdrängung – dieses Geschehen gleichsam wieder an die Oberfläche.

Stolpersteine sind aber nicht oberflächlich: Wer einen solchen Gedenkstein spendet, begibt sich auch auf Spurensuche und erforscht das Leben und Leiden der Verfolgten.

Ein Gedenken von unten

Stolpersteine sind ein Gedenken von unten, aber sie erniedrigen niemanden. Wer die Texte auf ihnen lesen will, muss den Kopf senken und verneigt sich damit auch symbolisch vor den Opfern.

Nicht alle teilen diese Sicht: Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, lehnt Stolpersteine ab, weil auf den Namen der Opfer herumgetreten werden könne. Viele Überlebende, Angehörige und Vertreter von Opfergruppen sehen es anders:

„Ich für meinen Teil denke, dass das Schlimmste, was meinen Großeltern passieren konnte, vor Jahrzehnten geschehen ist. Lasst ihre Stolpersteine ignoriert, beschmutzt oder entwendet werden, solange nur ab und zu ein Vorübergehender bei ihnen stehenbleibt und anfängt nachzudenken.“ — Jackie Kahn

Weithin anerkannt

Gunter Demnig wurde für sein Engagement vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Zu den Befürwortern der Stolpersteine gehörten Bundespräsidenten und Bundeskanzler, die Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und des Zentralrats der Juden in Deutschland, der Leiter der Gedenkstätte Yad Vashem sowie führende Rabbiner und hohe katholische und evangelische Geistliche.

„Diese Art des Gedenkens finde ich – wie auch die Spitze des Zentralrats – sehr positiv.“ — Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (2014)

Mehr über das Projekt erfahren Sie auf der offiziellen Seite stolpersteine.eu.